Altistin, Sopranistin, Bassist, Terrorist

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Vieles ist so ungerecht in der deutschen Sprache: Bildet man aus den Stimmlagen die Bezeichnung der “Stimmträger”, so erhalten die Bezeichnungen “Alt”, “Sopran” und “Bass” am Ende ein anschärfendes -istin oder -ist, während der, der Tenor singt, lapidar “Tenor” genannt wird. Ein Zustand, dem abgeholfen werden sollte. Korrekt müsste es “Tenorist” heißen, ähnlich wie der “Traktorist”, den es als Beruf in der ehemaligen DDR gab. Denn natürlich wäre dort niemand auf die Idee gekommen, den Trekker-Fahrer einfach als “Traktor” zu bezeichen. Es hätte auch schlecht ausgesehen, hätte die DDR-Führung die Vorstellung zugelassen, in der DDR würde der Pflug von Hand durch den Acker gezogen werden. Daher musste schon aus politischen Gründen dem Trekkerfahrer Besseres widerfahren, als dem Träger der hohen männlichen Stimmlage.

Untersucht man dieses sehr ergiebige semantische Kleinstgebiet weiter, darf man sich fragen, wie die zugehörigen Eigenschaftsworte (Adjektive) der Stimmlagen zu bilden sind. Wie also drücke ich den Sachverhalt aus, daß meine Chefin mir mit einer klaren Sopranstimme zu verstehen gab, daß mein Projekt wegen viel zu hohen Personaleinsatzes aus dem Budget läuft? Vielleicht so: “Sie hub mit sopranöser Stimme an : ‘Patrick, das wird zu teuer!…’” ?.

“sopranös” und “tenorös” wären durchaus legitime Vorschläge. Aber gerade “altös” und “bassös” klängen seht merkwürdig. Wesentlich schöner sind da die Adjektivierungen auf “-esk”. “sopranesk” und “tenoresk” haben da ein deutliches Mehr an Eleganz. Leider springt auch hier weder für den Alt noch für den Bass irgendetwas ästetisch höherstehendes ab: “altesk” ist sicher nur wenig besser als “altös”. Auch “bassesk”, mit Bindevokal besser “bassiesk” liegt an der Grenze des Zumutbaren.

Verben. Hat man von einem Begriff ein Verb zur Hand, lässt sich daraus ein ganzer Strauß nützlicher Wortbildungen ableiten. tenorieren, sopranieren, atlieren, bassieren wären hier die natürlichsten Bildungen. Denn nun kann es weitergehen: Das Partizip 1 von sopranieren ist “sopranant”. Der Ort, an dem eine Sopranistin sopranant ist, ist das “Sopranorium”. Das Ergebnis des Sopranierens ist das “Sopranat”. Die Handlung des Sopranierens ist die “Sopranation”. Und die Gesamtheit der Personen, die die Sopranation ausüben, ist die “Soprananz”. Diese Ableitung ist so zu verstehen, wie sich “Assistenz (der Geschäftsleitung)” aus “assistieren” oder “Prominenz” aus “promenieren” ableitet.

Verfährt man nun systematisch mit den anderen drei Stimmen, so stellt man fest, daß das nur für den Sopran einwandfrei funktioniert. Für die anderen Stimmen braucht man Bindevokale oder geeignete Ablautungen, damit etwas ästetisches dabei entsteht. An manchen Stellen war der Fall hoffnungslos und ich musste auf cantica-novaeske Begriffe zurückgreifen.

Stimmlage Sopran Alt Tenor Bass
Verb sopranieren altieren tenorieren bassen
handlend (Partizip 1)
sopranant altirant tenorant bassant
Eigenschaft
Soprananz Altenz Tenoranz Bassanz
Ort der Handlung Sopranorium Altonarium Tenorium Kneipe
Ergebnis der Handlung (Output) Sopranat Altitur Gebrüll Bassitur
die Handlung ansich Sopranation Altiration Tenoration Bassage
Gesamtheit der Handelnden Sopranenz Helga and Friendz Tenorenz Doktoranz
Adjektiv sopranesk altesk tenorös bassi-esk
Handelnde(r) Sopranistin
Sopraness
Altistin
Altonine
Terrorist
Tenorix
Bassist
Bassix

Für die Wortkonstruktion der Handelnen habe ich zusätzlich den aus den Asterix-Comics bekannten “ix”-Suffix als Alternative hinzugenommen. Andererseits macht das Frankophone -ess macht bei  “Sopraness” eine wunderbare Figur.

Anwendungsbeispiele

  • Das Sopranat der gestrigen Probe wurde aufgezeichnet und der Sicherheitsverwahrung übergeben
  • Holger verließ tenorant die Chorprobe.
  • Im letzten Lied wird die Doktoranz eine tenoreske Triole zu meistern haben.
  • Die Darbietung war von beeindruckender Sopranenz